Top

Zitiertechniken

Ein Zitat ist eine wörtlich wiedergegebene Stelle aus einem Text (Roman, Gedicht, Zeitung, Rede usw.).

Man zitiert zumeist, um etwas zu untermauern oder zu belegen. So können beispielsweise eigene Gedanken überzeugender dargestellt werden, wenn man einen Experten zitiert, der etwas zum Thema gesagt hat, das mit dem eigenen Standpunkt übereinstimmt.

Im Unterricht wird das Zitieren zumeist angewendet, um die eigenen Ausführungen (Gedanken, Erläuterungen) zu einer Textstelle am Text zu belegen, d.h. es wird ein Bezug zwischen einer Textstelle (die wörtlich wiedergegeben wird oder auf die man sich mit einer eigenen Formulierung bezieht) und den eigenen Überlegungen zu dieser Textstelle hergestellt. So weiß der Leser unseres Textes immer ganz genau, auf welche Stelle des zu bearbeitenden Textes wir uns gerade beziehen und kann somit unsere Ausführungen besser nachvollziehen.

Beim Zitieren sind einige Regeln zu beachten, damit dem Leser das Erkennen des Zitats, das Auffinden im Originaltext und die Lesefreundlichkeit von zitierten Textstellen erleichtert wird:

1. Zitierte Textstellen werden immer durch Anführungszeichen gekennzeichnet.

Der Direktor stellt fest: „Der Schulordnung ist Folge zu leisten.“ (S. 1, Z. 1)

2. Man kann einzelne Worte, Wortgruppen, mehrere Satzglieder oder gar einen oder mehrere Sätze (vgl. hierzu auch Punkt 11) zitieren.

Er ist ein wahrer „Märtyrer" (S. 4, Z. 7), zu dem ihn sein vornehmer Mantel macht.

Die Alliteration „lustiges Leben“ (S. 4, Z. 9) deutet auf die Komik der Situation hin.

Er ist unentschlossen, weiß nichts mit sich anzufangen, „malt Schlangenlinien auf das Papier“ (S. 1, Z. 7).

Da sagt der Bandit: „Gib mir dein Geld oder ich nehme dein Leben.“ (S. 3, Z. 5)

3. Es sollte jeweils nur der Text zitiert werden, auf den sich die eigenen Ausführungen konkret beziehen.

Richtig: Die Metapher „Welle der Freundschaft“ (S. 15, Z. 12) steht hier für eine enorme Menge an freundschaftlichen Gefühlsbekundungen, die dem Helden zuteil werden.

Falsch: Die Metapher „Er spürte die Welle der Freundschaft“ (S. 15, Z. 12) steht hier für ...

4. Die zitierte Stelle wird in einer runden Klammer am Ende des Zitates mit Seiten- und Zeilenangabe belegt. Seite darf mit S. und Zeile mit Z. abgekürzt werden. Handelt es sich um ein Zitat, das sich über zwei Zeilen erstreckt, dann schreibt man f. (eine folgende Zeile), ansonsten verwendet man die konkreten Angaben (also z.B. Z. 1-3). Bei Gedichten schreibt man für Strophe Str. und für Vers V. Handelt es sich bei dem vorgegebenen Text nur um eine Seite, entfallen die Seitenangaben.

Der Detektiv sagt: „Sie sind verhaftet.“ (S. 238, Z. 5) → Die zitierte Textstelle befindet sich in einer Zeile.

Die Hauptaussage steht am Schluss des Gedichts: „Es falten ihre Zehlein, / die Rehlein.“ (Str. 2, V. 4 f.) → Der Querstrich gibt an, dass ein neuer Vers beginnt.

5. Veränderungen im Zitat (Auslassungen, Hinzufügungen, Kasus, Plural ...) werden mit einer eckigen Klammer gekennzeichnet. Der Sinn eines Zitates darf durch eine individuelle Zusammenstellung nicht falsch wiedergegeben werden!!!

Originaltext: Wir brauchen die Freiheit, wir brauchen diese Göttin, um den Fesseln der Verdammnis zu entfliehen.

Der Protagonist sagt: „Wir brauchen die Freiheit.“ (S. 3, Z. 5)

Der Protagonist sagt: „Wir brauchen die Freiheit [...], um den Fesseln der Verdammnis zu entfliehen.“ (S. 3, Z. 5)

Die Protagonist sagt: „[W]ir brauchen diese Göttin, um den Fesseln der Verdammnis zu entfliehen.“ (S. 3, Z. 5)

Die „Fessel[...] der Verdammnis“ (S. 3, Z. 5) muss durch Freiheit überwunden werden.

Falsch: „Wir brauchen [...] [die] Fesseln der Verdammnis [...]“ (S. 3, Z. 5). (falsch, da sinnentstellend)

6. Auf eine korrekte Einbindung des Zitats nach den Regeln der Grammatik und der Rechtschreibung in den eigenen Text muss geachtet werden. Um dies zu erreichen, müssen die Zitate umschließenden Sätze sorgfältig formuliert werden (vgl. Tipps).

Falsch: Er betont „Ich bin die Weisheit.“ (S. 20, Z. 6), dies zeigt, dass ...

Richtig: Er betont: „Ich bin die Weisheit.“ (S. 20, Z. 6) Dies zeigt, dass ...

Falsch: Der Satz „Endlich alle da.“ (S. 3, Z. 12) verdeutlicht, dass ...

Richtig: Es folgt eine Ellipse: „Endlich alle da.“ (S. 3, Z. 12) Diese verdeutlicht ...

Falsch: Die Argumente „[…] im Osten die Armeen unaufhörlich zurückströmen, im Westen die Invasion erwartet wird“ (Z. 5 ff.) klingen wie aus einem Zeitungsartikel.

Richtig: Die Argumente, dass „[…] im Osten die Armeen unaufhörlich zurückströmen, im Westen die Invasion erwartet wird“ (Z. 5 ff.), klingen wie aus einem Zeitungsartikel.

Falsch: Der letzte Satz des ersten Absatzes: „Die gerechte Strafe rückt näher!“ (S. 3, Z. 4) Und: „Sie wird euch alle ereilen!“ (S. 3, Z. 18) Gehören zusammen.

Richtig: Die beiden folgenden Sätze gehören zusammen: „Die gerechte Strafe rückt näher!“ (S. 3, Z. 4) „Sie wird euch alle ereilen!“ (S. 3, Z. 18)

7. Ein Zitat, das aus einem ganzen Satz besteht, wird zumeist mit einem Doppelpunkt eingeleitet, das Satzzeichen am Ende des zitierten Satzes darf nicht weggelassen werden. Nach mit Doppelpunkten eingeleiteten Zitaten beginnt immer ein neuer Satz!!!

Vgl. die Beispiele unter sechs.

8. Kommt in zitierten Textstellen wörtliche Rede vor, so wird diese durch einfache Anführungszeichen wiedergegeben.

Folgende Äußerung leitet den Text ein: „Goebbels fragt: ‚Wollt ihr den totalen Krieg?’“

9. Wird nur auf eine Textstelle hingewiesen, diese aber nicht wörtlich zitiert, so stehen keine Anführungszeichen, aber folgender Verweis auf die Textstelle: (vgl. S. 12).

Originaltext: Heiße Strahlen brannten auf den sengenden Wüstensand hinab.

Die Sonne scheint unbarmherzig (vgl. S. 3, Z. 34) und ...

10. Zitate dürfen nicht nur angedeutet bzw. verkürzt dargestellt werden.

Originaltext: Heute wird das Wetter so schön, dass wir schwimmen gehen können.

Falsch: Peter sagt: „Heute wird das Wetter ...“ (S. 3, Z. 2)

Richtig: Peter sagt: „Heute wird das Wetter so schön, dass wir schwimmen gehen können.“ (S. 3, Z. 2)

11. Zitate müssen in einem angemessenen Verhältnis zum eigenen Text stehen, sie sollten also nicht zu viel Raum einnehmen.