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Das griechische Theater

Das griechische Theater ist in mehrfacher Hinsicht ein sichtbares Zeichen für die Bedeutung der griechischen Antike für unsere Zeit und Kultur. Viele antike Theaterbauten stehen auch heute noch und werden für Theateraufführungen oder sogar Fernsehshows genutzt. Die Gestalten der Werke, wie z.B. Medea, Agamemnon oder Oedipus sind auch heutzutage noch bekannt. Die Stücke werden in Stadttheatern und an Schulen aufgeführt sowie in Filmen umgesetzt.

Schon allein die Architektur eines griechischen Theaters ist erstaunlich: Meist wurden Abhänge mit atemberaubender Aussicht und eine Ausrichtung nach dem Lauf der Sonne ausgenutzt. Das Dionysostheater in Athen konnte mehr als 10000 Menschen aufnehmen, und durch eine ausgeklügelte Akustik konnten alle dem dargestellten Geschehen folgen. Theatermaschinen erlaubten besondere Effekte. Aus dem Hintergrund der Bühne (Skene) konnte ein Wagen herausgerollt werden (Ekkyklema), auf dem das Innere eines Hauses dargestellt werden konnte. Durch einen Kran konnte ein deus ex machina am Ende des Stückes hereinschweben.

Besonders auffällig ist die Tatsache, dass die Schauspieler Masken trugen. Es gab insgesamt drei Schauspieler, die verschiedene Rollen spielten, außerdem trat ein Chor mit 15 Mitgliedern auf. Neben Sprechpartien gab es musikalisch begleitete Arien, Chorlieder und Tänze. Die Aufführenden waren immer Männer, die auch Frauenrollen spielten. Vermutlich durften auch nur Männer offiziell das Theater besuchen.

Die Athener des 5. Jahrhunderts v. Chr. liebten das Theater. Zwei große Festivals im Jahr waren der Aufführung von Theaterstücken gewidmet. Bei diesen Festivals ging es nicht nur um das bloße Anschauen der Stücke, sondern es war ein Wettkampf zu Ehren der Götter. Die Zuschauer brauchten dafür keinen Eintritt zu zahlen, sondern bekamen sogar ein Tagegeld, so dass es allen möglich gemacht wurde, die Vorstellungen zu besuchen.

Schon der Name des großen Tragödienfestivals zeigt, mit welchem Gotteskult die Tragödie verbunden ist: Bei den Großen Dionysien Ende März, die insgesamt fünf Tage dauerten, durften drei Tragödiendichter je drei ihrer Tragödien sowie ein Satyrspiel (s.u.) präsentieren. Die antiken Tragödien waren also im Prinzip für eine einmalige Aufführung geschrieben! Am letzten Tag wurde der Sieger bekannt gegeben. Sein Name sowie der Name des Sponsors, der die Aufführung finanziert hatte, wurden in einer Inschrift festgehalten. Zu diesem besonderen Fest reisten Menschen von weit her an. Dadurch bot sich den Athenern die Gelegenheit, sich selbst als religiöses, kulturelles und politisches Zentrum der Griechen zu repräsentieren. Bei den Lenäen im Januar/ Februar eines jeden Jahres stand die Komödie im Mittelpunkt.

Die Ursprünge von Tragödie, Komödie und Satyrspiel sind unklar, aber es ist sicher, dass sie im religiösen Zusammenhang stehen.

Die Tragödie

Eine Tragödie hatte meistens einen mythischen Inhalt: Bekannt sind auch in unserer Zeit noch z.B. die Geschichten um Agamemnon, Orest, Oedipus und Medea. Nur eine Tragödie mit historischem Inhalt wurde uns überliefert: Die Perser des Aischylos. Verschiedene Tragödien haben scheinbar einen gleichen Inhalt, da sie den selben mythischen Stoff behandeln. Das besondere ist aber jeweils, wie der Autor den bekannten Stoff umsetzt, welche Stränge er hervorhebt und wie er die beteiligten Personen charakterisiert. Der Inhalt der Stücke hatte gesellschaftliche Bezüge, auch wenn es nicht immer leicht ist, diese auf den Punkt zu bringen.

Eine Tragödie des 5. Jahrhunderts hat eine recht feste Form, die in den meisten Fällen eingehalten wird. Ein Stück beginnt mit einem Prolog, in dem die Situation dargelegt wird. Dann tritt der Chor ein (Parodos). Es folgen Akte (Episoden), die jeweils durch ein Chorlied (Stasimon) voneinander getrennt sind. Das Ende bietet ein weiteres Chorlied (Exodos).

Nur die Werke dreier Autoren sind uns überliefert: die Stücke des Aischylos, des Sophokles und des Euripides. Diese Werke wurden von der Nachwelt als so gut und wichtig erachet, dass sie immer wieder abgeschrieben wurden. Aber auch hier zeigt sich, wie wenig wir von der immensen Produktion des 5. Jahrhunderts v.Chr. tatsächlich kennen: Diese drei Autoren haben insgesamt so ca. 290 Stücke verfasst, uns vollständig erhalten sind aber nur je 7 des Aischylos und des Sophokles sowie 19 des Euripides!

Unter den Werken des Aischylos haben wir die einzige Tragödie historischen Inhalts, die Perser, sowie die einzige überlieferte Trilogie, in der die drei hintereinander aufgeführten Tragödien inhaltlich zusammengehören und aufeinander aufbauen (die sogenannte Orestie, bestehend aus Agamemnon, Choephoren und Eumeniden). Aischylos’ Werke präsentieren sich uns als besonders religiös.

Sophokles’ Stücke werden auch heute noch gerne aufgeführt. Schon Aristoteles rühmte besonders den König Oedipus. Bekannt ist auch die Antigone.

Euripides gilt als ein Erneuerer der Tragödie, der sich in verschieden Aspekten von den übrigen Schreibern absetzte. Seine Protagonisten erscheinen als Menschen ‚wie Du und Ich’, die durch Gefühle beherrscht werden und Schwächen zeigen. Zu Lebzeiten hatte er nur relativ wenig Erfolg, aber schon kurze Zeit später waren seine Werke sehr populär.

Von großem Einfluss für die Interpretation der Tragödie ist ein Werk des Aristoteles: die Poetik. In ihr setzte er sich vor allem mit der Tragödie des 5. Jahrhunderts auseinander und brachte Interpretationen der Funktion der Werke auf, die stark auf die spätere Einschätzung der Tragödien wirkten. Von ihm stammt der Begriff der Katharsis, der reinigenden Wirkung einer Tragödie auf den Zuschauer, aber auch die Beschreibung des idealen Handlungsverlaufes, der Peripetie (Umschlag von Glück ins Unglück).

Das Satyrspiel

Ein Satyrspiel schloss als heiteres Stück die Aufführung eines Dichters ab. Nur ein Satyrspiel ist uns als ganzes erhalten, der Kyklops des Euripides. Typisch für ein Satyrspiel scheint ein Chor von Satyrn zu sein, die zum Gefolge des Dionysos gehören und an einem Pferdeschwanz sowie an einem Phallus leicht zu erkennen sind. Die Handlung ist derb und beschäftigt sich mit Erotik und leiblichen Genüssen.

Die Komödie

Die einer Komödie zugrunde liegende Handlung und die in ihr auftretenden Personen sind sehr phantasievoll und bunt gestaltet. Der Chor bestand oft aus Tiergestalten wie Fröschen oder Vögeln, und die Ausstattung der Schauspieler zeichnete sich durch groteske Kleidung und Requisiten, dicke Bäuche oder Phallussymbole aus. Nur einige Werke des Aristophanes sind uns überliefert. In ihnen finden sich zahlreiche tagespolitische Anspielungen und Parodien zeitgenössischer Politiker, Philosophen (z.B. Sokrates), Dichter und sogar der Götter.

Die Blüte des griechischen Theaters war sicher im 5. Jahrhundert vor Christus, verbunden mit der Blütezeit Athens. Aber auch spater wurden nicht nur die Stücke der ‚großen Autoren’ Aischylos, Sophokles und Euripides aufgeführt, sondern auch neue verfasst. Leider sind hier meistens nur Fragmente überliefert. Nur von der neuen Komödie liegen uns vollständige Werke des Menander (4./ 3. Jh. v.Chr.) vor.