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Analyse epischer Texte

Analyse erzählender / epischer Texte (Kurzgeschichte, Novelle, Kurzprosa, etc.)

I. Erschließungsverfahren nach Schlüsselstellen - Inhaltsebene:

  • Schlüsselstellen ziehen den Leser in die inhaltliche, problemorientierte, thematische Textebene:
  • Kernstellen: mit eindeutigen, direkten Aussagen der Figuren (auch des Erzählers) zur Situation, zum Verhalten, zu einem Problem ...
  • Leerstellen: Stellen mit Andeutungen, offenen Hinweisen, Aussparungen, Vorausdeutungen, hintergründiger Wirkung, die das Interpretieren herausfordern
  • Bruchstellen: mit plötzlichem Themawechsel, Sprecherwechsel, Erzählerwechsel, Perspektivwechsel, Zeitsprung, Wechsel in Sprache und Stil
  • Wirkungsstellen: mit Hervorhebung, z.B. am Anfang, am Schluss, an einem Achsenpunkt, einem Symmetriepunkt, einem Gipfelpunkt, einer emotionalen Aufgipfelung, einer stilistischen Auffälligkeit...
  • Konfliktstellen: mit Formen der inneren oder äußeren Auseinandersetzung, des verbalen oder nonverbalen Streites, des Kampfes... sowie der Versöhnung, Kompromissfindung, Konsensbildung, Beruhigung...
  1. von ein, zwei wichtigen Schlüsselstellen ausgehen
  2. erklären, was sie zum Verständnis des Textes beitragen
  3. zu weiteren mit diesem Verständnis in Zusammenhang stehenden anderen Schlüsselstellen übergehen
  4. sie gedanklich aufeinander beziehen und so den Text insgesamt aufschließen und interpretieren

Beispiel: Heinrich Böll: Auf der Brücke („Texte, Themen und Strukturen“- neu, S. 19 )

  • Z. 3-8: die Zahlen - die berufliche Rolle des Ichs als Zähler + Z. 20, 24, 31: seine Macht als Ohnmächtiger + Z. 75: die Kontrolle
  • der Gegensatz:
  • Z. 45: das Herz - die kleine ungezählte Geliebte + Z. 65 ff.: die einseitige Liebe
  • Z. 109 ff.: der Traum von der Liebe + Z.86, Z. 40: Futur

II. Aspektorientiertes Erschließungsverfahren - Inhaltsebene:

ein Teilthema des Textes kann zu einem Aspekt (einer Hinsicht) werden, mit dem man den Text untersucht und durch den man einen wichtigen Teil der Textaussage versteht: z.B.

  • das Verhalten, die Einstellung, das Problem einer Figur
  • die Art der Interaktion von Figuren
  • das Konfliktthema, um das es in Auseinandersetzungen geht
  • die Art, wie Natur, Schauplätze und Umgebung geschildert sind
  • ein Leitmotiv, das auf etwas hinweist
  • die Art des gesellschaftlichen oder historisch-epochalen Hintergrundes
  • die Problemstellung, die der Text ins Zentrum stellt: ein künstlerisches, ästhetisches Phänomen - ein psychologisches oder soziologisches Problem...
  1. einen wichtigen Aspekt nach der Lektüre finden (s. Hypothese zur Textaussage)
  2. systematisch weitere Textstellen sammeln, die zu dem Aspekt gehören
  3. den Text unter diesem Aspekts ausführlicher erläutern, das Thema von den Stellen her entwickeln
  4. mit weiteren Aspekten verbinden und so die Textaussage komplettieren

Beispiel: Gabriele Wohmann: Die Klavierstunde („Texte, Themen und Strukturen“- neu, S. 17)

  • Aspekt: Lebensabend/Verfall/Lebensmangel der Lehrerin: Z. 26 f., 35, 53, 100, 107, 113, 128
  • Gegensatz:
  • Aspekt: Freiheitstraum des Schülers: Z. 17 ff. + 1-10, 62 ff., 97, 127
  • Aspekt: der eingefahrene Plan: Z 33 + 133 ff.

Die Verfahren mit Schlüsselstellen und mit Aspekten lassen sich gut kombinieren!

Quelle: http://www.fachdidaktik-einecke.de