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Abiturientia 2017 - Die Räuber: Schillers bestes Werk

Samstag, 1. Juli 2017
Silvia Welp

92 Abiturienten des Schillergymnasiums erhielten am vergangenen Mittwoch ihr Abiturzeugnis und beendeten nach einem Gottesdienst in der Apostelkirche mit dieser Feierstunde ihre Schulzeit.

Durch den Abend, der durch den Wechsel zwischen Redebeiträge und stimmungsvoller Musik abwechslungsreich gestaltet war und mit der feierlichen Zeugnisübergabe endete, führte die Abiturientin Catharina Dalhaus.

 

Für Schulleiterin Anne Eyben begann ihre erste Entlassfeier mit der Abiturientia 2017.

"Es ist vollbracht!", begann Eyben ihre Abiturrede, gefolgt von der Frage, was genau die Schüler denn nun vollbracht haben. Als Naturwissenschaftlerin ging sie anschließend den klassischen Weg der Erkenntnisgewinnung, um sich der Behauptung, die Abiturienten hätten eine allgemeine Reife erlangt, wissenschaftlich zu nähern.

"Reife bedeutet, dass Sie von heute an völlig selbstbestimmt und unabhängig ihren Weg gehen (können)", so Eyben. Die Welt liege den frischgebackenen Abiturienten gefühlt zu Füßen, ihnen stehen viele Wege offen, so klärte Eyben die erst von vier sich aus ihrer Anfangsfrage ergebenden Hypothesen.

Anschließend erläuterte sie die schulischen Reifungsfaktoren, die zu den Gelingensfaktoren zählen, u.a. das Lehrerkollegium, insbesondere vertreten durch die Stufenleitung Frau Stüwe und Herrn Voigt sowie der Oberstufenkoordinatorin Frau Brandt, die "in der Oberstufe dafür gesorgt haben, dass Schwierigkeiten unaufgeregt beseitigt wurden und Sie [die Abiturienten] unbehelligt an Ihrem Reifeprozess arbietn konnten". Auch die Entwicklungen der vergangenen Jahre, u.A. die UNESCO-Projektschule, die Einführung der Inklusion, der Schwerpunkt Theater, die von Schülern dieser Stufe gefördert wurden, verifizierten Eybens Hypothesen.

Auch die außerschulischen Reifungsfaktoren ließ Eyben nicht unerwähnt. "Ihre Eltern haben eine maßgeblichen Anteil daran, dass Sie heute hier Ihr Zeugnis der Reife erhalten werden", so Eyben.

Mit der Klärung des Bildungsbegriffs bildete den Abschluss ihrer Überlegungen: "[...] ihr habt die Schule mit euren Persönlichkeiten bereichert und das Schillergymnasium kann stolz darauf dein, euch den nötigen Raum und die Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentwicklung gegeben zu haben. Somit ist eure Individualität der beste Beweis für differenzierte Reife", führte Eyben aus.

Mit diesen Ausführungen bescheinigte sie allen Abiturienten, von denen drei sogar mit der Traumnote 1,0 abschließen, die gerechtfertigte Reife und den Erhalt des höchsten Abschlusses, den man an deutschen Schulen erreichen kann.

Von Seiten der Eltern dankte Herr Schomacher, stellvertretend für alle Eltern, dem Lehrerkollegium und der Schulleitung für das stets freundliche Willkommen, das ihnen als Eltern in den vergangenen Jahren bei allen Aktionen entgegengebracht wurde. Mit einer kurzen Rückschau auf Unter- und Mittelstufenentwicklung ihrer Kinder bis hin zum Abitur, resümierte er: "Heute ist das alles wieder ganz anders, jetzt seid ihr Menschen mit Abitur und verlasst vertrautes Terrain", so Schomacher. Er warf dann aber auch die Frage auf, welches Rüstzeug Schule für den Lebensweg vermitteln soll. Und versuchte sich an einer Antwort: neben Allgemeinwissen eben auch eigenständiges Urteilen, Entscheidungen treffen, Verantwortung für sich und die Gesellschaft übernehmen. Schomacher schloss seine Rede mit einer Aufforderung: "Nutzt eure Fähigkeit, selbst zu denken, eigenständig zu urteilen und Euch treu zu bleiben."

Stellvertretend für die Schüler hielt Jan Schomacher die Rede für die Abiturientia: "Das Abi ist eine  zweigesichtige Zäsur in unserem Leben". Es bedeute Abschied von einer sehr schönen und vor allem lehrreichen Episode des Lebens, ebenso aber auch das Öffnen vieler Türen, führte Schomacher aus. Und er stellte die Forderung auf, dass sie ihre  Chancen nutzen und durch diese Türen hindurchgehen sollen.

Den Abschluss der Redner bildeten die Stufenleiter Ulrike Stüwe und Frederik Voigt. Als Aufhänger  ihrer Rede wählten sie das Abiturmotto "Die Räuber - Schillers bestes Werk".Gewürzt mit kleinen Annekdoten aus der Schulzeit der Stufe erläuterten sie die Begriffe "Die Räuber" sowie "Bestes Werk" und charakterisierten damit ihre Stufe treffend. Beide blickten nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft. Stüwe zitierte dabei stellvertretend Julia Engelmanns Poetry Slam "Wir können alles sein": "Und ihr könnt alles sein... Querdenker, Quereinsteiger, Grenzgänger, Wegweiser, Party People, große Kinder, Erfinder und Familiengründer, Alles - Erdachte - möglich - Macher, Lebenslauf - Collagenbastler oder Master of Disaster an der Uni Kopenhagen. Denn ihr könnt alles sein..."

Neben allen vergnüglichen Episoden hatte die Rede der Stufenleitung aber auch einen ernsten Anklang: "[...] und deshalb habt ihr auch eine Verantwortung". Aus der eigenen Vergangenheit berichtend, wiesen sowohl Voigt als auch Stüwe auf die Veränderungen und Gefahren, die junge Menschen aufgrund der weltpolitischen Lage heute begegnen hin und der sich daraus ergebenden Verantwortung für unsere Welt: "Und weil das so ist, brauchen wir viele. Viele, die sich einsetzen, die bereit sind, ihre Mitmenschen zu stützen und zu schützen, demokratische Werte zu leben und zu verteidigen, die Flagge zeigen wollen und den Mut dafür aufbringen, die in der Lage sind, klug zu argumentieren und zu überzeugen", so Voigt.

 Im Anschluss brachte "The Faculty", die Lehrer-a-cappella-Band unter Leitung von Christian Meyer der Abiturientia ein Abschiedslied dar, das den Übergang zur Zeugnisausgabe durch Schulleiterin Anne Eyben darstellte.

 

Den Abschluss des Abends bildete ein Sektempfang vor der Aula, der von den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe Q1 organisiert wurde.

Einen Abend später feierte die Abiturientia ihren Abiturball in der Speicherstadt.

Wir gratulieren allen Abiturienten von Herzen und wünschen ihnen alles Gute für die Zukunft.